Der aktuelle Rundbrief Winter 2018

Sehr geehrte Spenderinnen und Spender, liebe Freunde              

Eine Stärke der Stiftung Aruna und ihrer Partnerorganisation Shanthimalai Trust ist Kontinuität. Langfristige Projekte wie unsere Schulen haben nachhaltige Auswirkungen und Arbeitsweisen können ständig optimiert werden. Der Stiftungsrat hat während der letzten Jahre Abläufe verbessert, sein Netzwerk erweitert und neue Strategien für Fundraising entwickelt. Die Stiftung steht auf solidem Grund. Für mich, Eva Stocker, kommt am Ende des Jahres der richtige Zeitpunkt, um nach über 20 Jahren Stiftungstätigkeit mein Amt als Präsidentin abzugeben. Das Präsidium wird von Immanuel Stocker übernommen, Martin Bütler bleibt wie bis anhin Vizepräsident. Den beiden stehen sechs motivierte Stiftungsrätinnen und -räte zur Seite. Für die Betreuung der Allgemeinspender und Paten sind neu Martin Bütler und Catharina Agustoni zuständig. Ich werde gerne weiterhin beratend zur Verfügung stehen.

 

Es gibt einiges Neues von unserer Sekundarschule zu berichten, die im kommenden Januar ihr 25-jähriges
Bestehen feiert. Im vergangenen Schuljahr haben 97% der Schülerinnen und Schüler der Abschlussklasse den unserer Matura vergleichbaren Abschluss geschafft. Dies war jedoch nur unser drittbestes Ergebnis der letzten fünf Jahre (wir hatten uns schon an Abschlussquoten von 100 Prozent gewöhnt), und so hat die Schulleitung mit ausgewählten Lehrpersonen Ursachenforschung betrieben. Hieraus ergaben sich folgende zwei Themenfelder: die Unterrichtsmethodik der Lehrpersonen und das soziale Umfeld der SchülerInnen.
Um den Herausforderungen in diesen Bereichen gerecht zu werden, wurden zwei Programme ins Leben gerufen. Das ‚Teacher Coaching Programme‘ wurde von Dr. Claus Münz, einem erfahrenen Gymnasiallehrer, in Zusammenarbeit mit fünf Beratungslehrern aus Südindien entwickelt und soll ab September auf freiwilliger Basis den Lehrpersonen der Fächer Englisch, Mathematik/Informatik, Naturwissenschaften und Sozialwissenschaften neue Methoden der Wissensvermittlung nahe bringen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass der Lehrplan gerade in den oberen Klassenstufen erheblich erweitert wurde, und die Fachlehrer alle Hände voll zu tun haben, diese Neuerungen in den Lehrbetrieb einzubauen. Doctor Claus-ji (wie er von den indischen Kollegen liebevoll genannt wird, Bildmitte ganz oben) hat sich während eines Sabbatjahres in wochenlanger Kleinarbeit durch Unterrichtsbeobachtungen und fachlichen Austausch mit den Pädagogen deren Akzeptanz und Vertrauen erworben und wichtige Punkte zur Verbesserung der Didaktik herausgearbeitet. Im Kern geht es darum, die SchülerInnen vom schematischen Auswendiglernen und Reproduzieren zu einem grundlegenden Verständnis des Lehrstoffes und damit zu anwendungsrelevantem Wissenstransfer zu führen sowie auch langsamer Lernende sinnvoll mit einzubeziehen. Der ‚World Bank Education Report‘, der sich mit der Situation von Bildung in Entwicklungsländern beschäftigt, nennt drei Erfolgskriterien für derartige Programme: das Coaching muss konkrete Methoden vermitteln, fachspezifisch sein und den Lehrpersonen individuelle Hilfestellung geben. Wir möchten dem gerne eine vierte Dimension hinzufügen: die Liebe zu Beruf und Kindern! Doch solche (nicht wissenschaftlich messbaren) inneren Haltungen werden in Studien ja oft nicht berücksichtigt. Es ist geplant, zunächst 60 Coaching-Stunden durchzuführen, und dann auf dieser Basis die Feinjustierung des Programms vorzunehmen. Leider musste der Plan, regelmässige Supervisionen für Beratungslehrer anzubieten, mangels finanzieller Mittel vorerst auf Eis gelegt werden. Wie so oft arbeiten wir nun an einer gangbaren Alternativlösung.
 

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Stiftungsrat

Aktuelles Foto

Dorfkinder aus einem Dorf nahe der Schule

Über ein weiteres Programm haben wir bereits in unserem Rundbrief vom Mai dieses Jahres berichtet. Etwa 25 Prozent der Schulkinder stammen aus einem familiären und sozialen Umfeld, das ihnen nicht nur soziale, sondern auch individuelle psychische Probleme und damit erhebliche Lernschwierigkeiten bereitet. Da die Stiftung Aruna und der Shanthimalai Trust seit ihrer Gründung den Sinn ihrer Tätigkeit in der Unterstützung von benachteiligten Bevölkerungsschichten sehen, hat sich Dr. Andreas Bachmann, der seit mehr als 30 Jahren diese Projekte des Trusts vor Ort betreut, Gedanken gemacht, wie man dort am besten Abhilfe schaffen kann. Denn die Schule kann solche Einflüsse alleine nicht auffangen, und die Eltern sind oft überfordert oder desinteressiert.

Der Sozialpsychologe Mr. Kulandaisamy , hat ein systematisches Diagnose- und Förderprogramm für diese Kinder entwickelt, das nun erste positive Auswirkungen zeigt. Aus finanziellen Gründen kommen derzeit leider nur rund 15 Kinder in den Genuss dieser speziellen Förderung. Kinder aus dem Patenprogramm werden bei Bedarf bevorzugt aufgenommen, denn dieses Patenprogramm ist und bleibt ja weiterhin eine unserer festen Säulen.

In einem Gespräch mit unseren Stiftungsräten Martin Bütler und Lukas Dold erzählt uns Mr. Kulandaisamy (der u.a. für das National Institute of Mental Health and Neuroscience arbeitete), dass er ein Job-Angebot aus Grossbritannien als ‚Child Protection Officer‘ abgelehnt habe, damit er weiter für den Shanthimalai Trust arbeiten könne. Auf die Frage, warum er so entschieden habe, antwortet er: „Das wäre ja völlig egoistisch .... Ich möchte in Shanthi (Frieden) sein, deshalb arbeite ich für Shanthimalai. Wenn man für die Regierung arbeitet, gibt es kein persönliches Wachstum in diesen Jobs. In jeder anderen privaten Organisation verdienst du mehr Geld, selbst in unserer Nachbarschaft ... aber ich mag das nicht, es ist zu kommerziell.“
Auf unsere Frage, welche Probleme sich ihm in seiner Arbeit häufig stellen, erläutert er: „Manche Eltern kümmern sich nicht. Manche Väter trinken. Gestern hatte ich einen Fall eines Schülers mit Lernschwierigkeiten. Er sagte, er hätte nie Glück erfahren in seiner Familie. Wenn er um fünf oder sechs Uhr nach Hause kommt, ist sein Vater schon betrunken, beschimpft und attackiert seine Mutter und ihn ... Deshalb findet er keine Ruhe und kann sich nicht aufs Lernen konzentrieren. Daneben gibt es auch Über-Behütung („over-protection“), die Eltern geben das zwar nicht zu, aber die Kinder sagen es. Der vierte Punkt sind Konflikte zwischen den Eltern. Das ist der Grossteil meiner Arbeit und macht sie schwierig, weil man nicht beide Eltern an einen Tisch bekommt ... Einige Kinder haben Angststörungen, andere bewältigen Probleme in falscher Art und Weise.“

Nun folgt ein kurzes Portrait von Sundari, einer Schülerin die Dank der Unterstützung des Schulpsychologen ihre Schwierigkeiten überwinden konnte. All diese neuen Entwicklungen und Verbesserungen sind nur dank Ihrer grosszügigen Spende möglich. Hierfür wollen wir uns im Namen
all der Menschen, denen geholfen wird, von Herzen bedanken.

Sundari war eine 15-jährige Schülerin der 10. Klasse mit Prüfungsangst und depressiver Symptomatik. Sie konnte sich nicht konzentrieren und auf Prüfungen lernen. Sie vermied alles, was mit der Prüfung zu tun hatte und machte selten Hausaufgaben. Des Weiteren litt sie unter der Tendenz übermässiger Selbstkritik, unter Melancholie, Bauchschmerzen, Energielosigkeit und konnte die Freizeit nicht wirklich geniessen. Nach gründlicher Situationsanalyse erklärte ihr der Sozialpsychologe das kognitive Modell, wie ihre Symptome durch irreführende Gedanken und Reaktionen aufrechterhalten werden. Er zeigte ihr, wie man wiederkehrende negative Gedanken erkennt, unterbricht und Alternativen findet. Zudem lernte sie mit Hilfe seiner Unterstützung wie komplexe Aufgaben in lösbare Teilschritte zerlegt werden, wie man sich mit effektiven Lernmethoden auf die Prüfung vorbereitet und inwiefern Imaginationsübungen zur Verbesserung von angstbesetzten Prüfungskognitionen beitragen. Insgesamt lernte Sundari Dank der Hilfe des Schulsozialarbeiters, mit ihren Schwierigkeiten umzugehen. Die Symptome sind grösstenteils verschwunden, sie hat die Abschlussprüfungen der 10. Klasse bestanden und möchte nun doch bis zur Matura an der Schule bleiben.

 

Für Ihre treue und wertvolle Hilfe danken wir Ihnen von Herzen und hoffen, weiterhin auf Ihre Unterstützung zählen zu dürfen.

Freundliche Grüsse

Eva Stocher - Präsidentin                          Martin Bütler - Vize-Präsident

Schulpsychologe Mr. Kulandaisamy

Impression einer Küche in einem Dorf nahe der Schule